„Ab wann weiß ich, ob ich mich trennen soll?“
Manche Frauen tragen diese Frage jahrelang mit sich herum.
Morgens ist die Antwort ganz klar. Abends, wenn er sie in den Arm nimmt oder die Kinder lachen, ist sie wieder weg.
Diese Ambivalenz ist anstrengend. Ihr Nervensystem zieht in zwei Richtungen gleichzeitig, und das kostet Kraft – oft mehr, als man sich eingesteht.
Unentschlossenheit hat in der Regel gute Gründe. Da ist Bindung, Geschichte, Hoffnung. Da ist vielleicht Angst vor dem Alleinsein, vor den Folgen für die Kinder, vor dem, was die anderen sagen. All das darf da sein.
Fragen, die Klarheit bringen können
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, die folgenden Fragen zu beantworten. Sie können das auch in Etappen tun. Am besten schriftlich – beim Schreiben merkt man oft, welche Antwort schneller kommt als gedacht.
Wie fühlt sich meine Beziehung an?
- Tut mir meine Partner:in häufiger gut, als dass ich unter unserer Beziehung leide?
- Ist meine Beziehung häufiger glücklich und zufriedenstellend oder ist sie häufiger belastend und schmerzhaft?
- Freue ich mich darauf, Zeit mit meiner Partner:in zu verbringen? Oder fühlt es sich eher wie eine Pflicht an?
- Fühle ich mich nach Gesprächen mit meiner Partner:in oft unvollständig, traurig, frustriert oder wütend? Falls ja: Können wir darüber reden und einander verstehen?
Was hält mich?
- Was hält mich in der Beziehung?
- Stelle ich mir manchmal vor, die Beziehung zu beenden?
- Bleibe ich vielleicht nur in dieser Beziehung, weil ich keine Lust habe, wieder mit dem Daten zu beginnen?
- Wünsche ich mir insgeheim, dass meine Partner:in die Beziehung beendet?
Was wäre möglich?
- Wie wäre eine tolle Beziehung? Wie sieht ein toller Tag in einer glücklichen Beziehung für mich aus?
- Was davon könnte ich in dieser Beziehung tatsächlich umsetzen? Was könnte ich, was könnte meine Partner:in lernen, damit wir das gemeinsam umsetzen können?
Die letzte Frage ist mir besonders wichtig. Viele Paare kommen zu mir, wenn einer innerlich schon halb gegangen ist. Manchmal steckt in der Beziehung noch erstaunlich viel Potenzial, nur hat den beiden nie jemand gezeigt, wie man dorthin kommt.
Sie müssen nicht heute entscheiden
Ein Gedanke, der vielen Frauen Druck nimmt: Sie können die Entscheidung bewusst immer wieder neu treffen, von mir aus jeden Tag. Will ich heute bleiben? Was brauche ich, damit es ein Ja bleibt?
Auch ein Satz wie „Wenn wir uns keine Hilfe holen, ist es für mich vorbei“ ist ein Schritt. Ein ziemlich klarer sogar.
Eine Ausnahme gibt es. Wenn Sie sich in Ihrer Beziehung bedroht fühlen, wenn es Gewalt gibt oder Sie Angst haben, dann geht es zuerst um Ihre Sicherheit. Dann ist die Frage nach dem Bleiben erst einmal zweitrangig.
Wenn Sie in dieser Frage feststecken, begleite ich Sie gerne – allein oder gemeinsam mit Ihrem Partner.
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